Geschichte des Schlosstheaters Ballenstedt

Ballenstedt, die traditionsreiche Stadt am Nordrand des Harzes, ist Standort des ältesten Theaters in Sachsen-Anhalt und zugleich eines der ältesten Theater Deutschlands.
Das Kleinod im frühklassizistischen Stil krönt die einen Kilometer lange reizvolle Allee, die Stadt und Schloss verbindet. Harmonisch fügt sich das Gebäude in das architektonische Ensemble des Schlosses, dem Stammsitz der Askanier, ein.
Ursprünglich Kollegiatstift und Kloster, diente das Schloss lange Zeit den Fürsten von Anhalt als Sommersitz.

1765 erhob Fürst Friedrich Albrecht von Anhalt-Bemburg das kleine idyllische Ballenstedt zur Residenz. Unter seiner Regierung kam Ballenstedt auch zu kultureller Blüte. Bereits 1765 wurde eine Hofkapelle unter Leitung von Johann Konrad Kreibe aus Gotha gegründet. Der herausragendste Musiker der Kapelle war der Hoforganist und Komponist Carl Christian Agthe (1762-1797). Agthe, später zum "Mozart des Harzraumes" gekürt, hinterließ zahlreiche Kompositionen (Sinfonien, Opern, Singspiele). 1787 wurde durch "Zusammentritt verschiedener Personen vom Hofe" ein "Gesellschaftstheater" ins Leben gerufen. Prinzessin Pauline, die spätere Fürstin zur Lippe, hatte großen Anteil an den Aktivitäten des Liebhabertheaters. Wenig später gab Fürst Friedrich Albrecht den Bau eines Schauspielhauses in Auftrag, das am 08. Juni 1788 eröffnet wurde. Der Baumeister ist nicht bekannt. Belegt ist jedoch, dass Johann Adam Breysig, einer der bekanntesten Theatermaler seiner Zeit, in Ballenstedt gewirkt hat.

In den Annalen des Theaters offenbart sich die wechselvolle Geschichte eines kleinen Provinztheaters.
In der Anfangszeit wurden im Winterhalbjahr wöchentlich drei Vorstellungen gegeben. Zur Aufführung kamen neben Konzerten der Kapelle Opern, Singspiele und Schauspiele unterschiedlichen Anspruchs. Wie damals üblich wurde das Theater von reisenden "Schauspielgruppen" bespielt. Hervorzuheben wären für die Ballenstedter Gastspiele die Truppe von Josef Seconda und die Truppe Bossan, die 1795 zur Anhalt-Dessauischen Hofschauspielgesellschaft ernannt wurde. Überregional gewann das Theater an Bedeutung mit dem legendären 3. Anhaltischen Musikfest 1852, das unter der Leitung von Franz Liszt stand. Die Theaterszenerie blieb bis 1864 lebendig und reichhaltig geprägt.

Mit dem Tod des letzten Herzogs von Anhalt-Bernburg starb die Linie aus und das Fürstentum ging an Anhalt-Dessau über. Dessen regierender Herzog verfügte zunächst die Schließung des Theaters - nur gelegentlich wurden noch Vorstellungen gegeben.
1889 regte der Ballenstedter Magistrat die Instandsetzung und Neubelebung der Spielstätte an. In der Folgezeit wurden bis 1914 mit großer Resonanz Gastspiele der Dessauer Hofoper und des Hofschauspiels gegeben. In dieser Zeit erfolgte die Ausstattung mit Zentralheizung und elektrischer Beleuchtung. Mit Beginn des ersten Weltkrieges blieb das Theater bis 1916 geschlossen.
Ab 1917 fanden mit rückläufiger Tendenz Vorstellungen durch das Dessauer Hofschauspiel statt. Die Theaterszenerie wurde 1924 mit der Gründung einer Sommeroper durch Alfred Tewis neu belebt. Das Haus konnte sich überregional etablieren. Für 1925 wird in den Annalen vermerkt, dass Eduard von Winterstein in Ballenstedt Regie führte.
Bis 1928 wurden der Orchestergraben tiefer gelegt sowie Bühnentechnik und Beleuchtung modernisiert.
Zwischen 1933 und 1945 kam das kulturelle Leben fast vollständig zum Erliegen.

Nach Kriegsende fanden bereits 1945 im unversehrt gebliebenen Ballenstedter Theater wieder Vorstellungen statt. Durch das Engagement des Intendanten Hans Bornmann wurde ein ortsansässiges Ensemble aufgebaut. Es wurden Aufführungen in drei Sparten angeboten. Ballenstedts Kunststätte entwickelte sich zum Besuchermagnet. Mit der Reorganisation des Theaterwesens 1949 wurde das Haus wieder Gastspielhaus.
Prägend für das Musikleben einer ganzen Region war das 1949 gegründete Orchester, welches unter wechselnder Rechtsträgerschaft bis bis 1993 bestand.

Überregional bedeutsam waren die 1973 ins Leben gerufene "Ballenstedt Theaterriege" aus der Aufführung von Operninszenierungen jeweils durch Studenten der Musikhochschulen. Mit Blick auf die jüngere Theatergeschichte verzeichnen wir seit den gesellschaftlichen Umschwung eine mannigfache Belebung auf kulturellen Gebiet. Gastspiele verschiedener Theater aus ganz Deutschland, Sondergastspiele mit national und international Künstlern bereichern den Spielplan. Zwischen 1992 und 1995 erfolgte eine Erweiterung des Theater am Stadtflügel sowie eine umfangreiche Sanierung nach denkmalpflegerischen Anspruch und der zunehmenden Frequentierung des Hauses, schuf beste Voraussetzungen für Spartenvielfalt und ein breit gefächertes Theaterangebot.
Ballenstedts Theater mit seiner hervorragenden Akustik und seinen einmaligen Ambiente ist für die Zukunft gerüstet.